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Alles meins – Vom Haben und Behaltenwollen

Scheidung, der „Tod“ des geliebten Blechs, Kündigung des Jobs, Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz, … Verluste sind ein Teil unseres Lebens – genau wie die Verlustangst. Schon ganz kleine Kinder kennen sie. Doch auch als Erwachsene lenkt sie uns und das mitunter stärker, als uns lieb ist.

Auf einen Blick:

  1. Verlustangst ist normal – aber nicht immer produktiv. Prüfen Sie, wann Sie besser nicht auf Ihr Magengrummeln hören.
  1. Wenn Sie immer behalten, was Sie haben, werden Sie nie bekommen, was Sie wollen. Angst vor Verlust ist nämlich eine effektive Bremse.
  1. Fragen Sie sich immer: Ist es den Aufwand wert? Ist das Neue wirklich so schlimm, bedrohlich oder gefährlich? Die Antwort könnte Sie überraschen.

Der 1,50-Dollar-Effekt

 

Was wir haben, ist sicher – zumindest theoretisch. Wir haben es bereits und müssen es nicht mehr erreichen oder erarbeiten. Deshalb tun wir gern alles, um den Status quo zu erhalten. Wird der bedroht, bekommen wir Angst – Verlustangst nämlich. Deshalb steht genau die so oft Veränderungen im Weg. Wie effektiv das System der Verlustangst funktioniert, zeigten die beiden Forscher Kelly Goldsmith von der Kellogg School of Management und Ravi Dhar von der Yale University mit einem recht einfachen Experiment.[1]

 

Sie versammelten freiwillige Probanden und teilten sie in zwei Gruppen, denen sie dieselben Aufgaben stellten. Gruppe 1 erhielt pro erfolgreich gelöster Aufgabe 25 Cent und konnte sich so insgesamt 1,50 Dollar erarbeiten. Gruppe 2 dagegen erhielt gleich am Anfang 1,50 Dollar, musste dafür aber für jede falsch oder nicht gelöste Aufgabe 25 Cent abgeben.

 

Anschließend maßen die Forscher die Zeit, die die Probanden pro Aufgabe aufwendeten. Das Ergebnis: Die Gruppe, die Geld verdienen konnte, verbrachte 9,5 Minuten mit den Aufgabe. Gruppe 2, die Geld zu verlieren hatte, wandte dagegen volle 15 Minuten auf. Verlustangst kann also auch ein Motivator sein. Oft genug steht sie uns jedoch im Weg.

 

Verlustangst – Die Hürde auf dem Weg zum besseren Selbst

 

Eine unserer größten Verlustängste ist die, den Job zu verlieren – vielleicht sogar an eine Maschine. Dabei zeigte eine aktuelle Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS), dass nicht wie von manchen befürchtet jeder zweite, sondern nur jeder zehnte Job langfristig wegfällt.[2] Unsere Angst: Was, wenn es meinen Job trifft? Und schon kommt die Angst vor Neuerungen und dem Wandel gleich mit im Gepäck. Genau diese Verlustangst ist es, wegen der wir uns mitunter heftig gegen Neuerungen sträuben.

 

Das Phänomen indes ist nicht neu: Vor rund 200 waren es die Maschinenstürmer, arme Handweber und Spinner, die in die dank der Industrialisierung neu entstandenen Fabriken eindrangen und dort ihre Konkurrenz – die maschinellen Webstühle – zerstörten. Große Wirtschaftstheoretiker ihrer Zeit wie Karl Marx, John Maynard Keynes oder David Ricardo beschäftigten damit – und sahen in der drohenden Arbeitslosigkeit zum Teil ein vorübergehendes Phänomen. Es entstünden neue Jobs, resümierten sie. Und wie man sieht, ist das Ende der Arbeit bisher auch ausgeblieben – sie bekommt nur neue Gesichter.[3]

 

Ja, werden Sie jetzt vielleicht sagen, aber der Job, den ich habe, den kenne ich und darin bin ich gut. Ich muss ihn nicht mehr suchen oder neue Dinge lernen, von denen ich nicht weiß, ob ich sie lernen kann. Wenn Sie sich bei solchen Gedanken erwischen, dann spricht hier Ihre Verlustangst.

 

Vielleicht ist die Veränderung aber auch die Chance, neue Leidenschaften zu entdecken und ihnen nachzugehen. Ob Sie aus Angst vielleicht Chancen verschenken? Finden Sie es jetzt heraus.

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Manchmal stecken wir mehr Energie da hinein, Dinge zu behalten, als diese lohnen. Sagen Sie ruhig einmal bewusst „ja“ und lassen Sie los!

Testen Sie sich selbst

 

Wie groß ist Ihre Verlustangst? Trennen Sie sich nur ungern von Besitztümern oder gewohnten Mustern und Abläufen? Oder fällt es Ihnen recht leicht, sich von alten Hüten zu verabschieden? Beantworten Sie sich die nachfolgenden Fragen ehrlich mit einem Ja oder Nein und finden Sie es heraus.

 

  1. Werden Sie nervös oder bekommen Sie Magengrummeln, wenn in Ihrer Abteilung oder Ihrem Unternehmen neue Technologien oder Prozesse eingeführt werden?

 

  1. Wenn Sie die Wahl haben, etwas Neues zu lernen oder Altbekanntes zu pflegen – bleiben Sie dann beim Altbekannten?

 

  1. Stellen Sie sich vor, Sie laufen oder radeln jeden Morgen zur Arbeit – oder vielleicht tun Sie es tatsächlich. Nehmen Sie jeden Morgen denselben Weg, auch wenn Sie verschiedene Wege zur Auswahl haben?

 

  1. Ihre aktuelle Wohnung ist ganz gemütlich, aber nicht Ihr Traum. Sie würden lieber im Grünen wohnen. Sie finden eine fantastische Traumwohnung am Waldrand, kennen im Dorf aber niemanden und es wäre recht weit weg von Ihren Freunden? Ziehen Sie trotzdem um?

 

  1. Ihr Partner hat seit neuestem ein supermodernes Smartphone. Sie lieben Ihren „alten Knochen“. Würden Sie ihn trotzdem gegen so ein schickes, neues Teil tauschen?

 

  1. Sie bekommen eine attraktive Stelle angeboten, die einige Veränderungen mit sich bringt, müssen sich aber innerhalb von 2 Tagen entscheiden, ob Sie sie antreten. Würden Sie wechseln?

 

  1. Sie gewinnen im Lotto – keine Million, aber ein schickes Sümmchen. Würden Sie an der Börse spekulieren, um es zu vermehren?

 

  1. Thema Haushaltsfinanzen: Sind Sie der Typ, der seine Ausgaben immer 100% im Blick haben muss?

 

  1. Ihr Auto hat Ihnen immer gute Dienste geleistet. Jetzt bekommt es leider erste Alterserscheinungen. Sind Sie der Typ, der es lieber reparieren lässt bis gar nichts mehr geht, weil man beim neuen Blech nie weiß, was man kriegt?

 

  1. Alle Freunde schwärmen von den neuen E-Bikes und in Ihrer Region sind diese Bikes tatsächlich praktisch. Bleiben Sie trotzdem lieber bei Ihrem Drahtesel mit reinem Pedalantrieb?

 

Hier kommt die Auflösung. So steht es um Sie und Ihre Verlustangst:

 

7-10 mal  Ja

 

Ihr Motto ist: Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Was Sie haben, ist sicher und wer weiß, ob das Neue nicht sowieso vor den Baum geht. In der Studie der amerikanischen Wissenschaftler hätten Sie wahrscheinlich noch länger als 15 Minuten geknobelt.

Damit müssen Sie nicht unbedingt schlecht fahren. Aber so manche große Chance zieht dadurch ungenutzt an Ihnen vorbei. Haben Sie Mut und lassen Sie den Spatzen ruhig das eine oder andere Mal fliegen.

 

4-6 mal Ja

 

Ab und zu stehen Sie sich selbst auf den Füßen, weil Sie Altbekanntes eben doch nicht eintauschen wollen, obwohl Ihre innere Stimme es durchaus für sinnvoll hielte. Hören Sie ruhig öfter auf diese Stimme und betrachten Sie Ihre Bedenken einmal ganz rational. Was kann schlimmstenfalls passieren? Wie wahrscheinlich ist der schlimmste Fall wirklich? Vermutlich spricht nämlich nur Ihre Verlustangst gegen den nächsten Schritt.

 

0-3 mal Ja

 

Verlustangst? Was ist das? Sie betrachten Bedenken rational und schieben das Magengrummeln ins Abseits, wenn es dort hingehört. Das macht Sie zum natürlichen Gewinner in Zeiten des Wandels, denn Sie tun sich leicht mit neuen Wegen. Ihre Vision vom besseren Morgen treibt sie deutlich mehr an als die Angst vor dem Verlust der Sicherheit des vertrauten Heute.

 

Unterm Strich …

 

Verlustangst motiviert uns – wenn auch nicht immer zu für uns produktiven Verhalten. Wir geben ungern her, was wir haben. Dabei ist für unseren persönlichen und beruflichen Erfolg eine gesunde Balance wichtig zwischen Vertrautem und Neuem wichtig.

[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24059820

[2]https://www.ihs.ac.at/fileadmin/public/2016_Files/Documents/20170412_IHS-Bericht_2017_Digitalisierung_Endbericht.pdf

[3]http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/gutachten/DigitalisierungundZukunftderArbeit2018.pdf

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